Chronik 1925 – 1948

Die „Gleichschaltung“ der Vereine durch das Dritte Reich ist dann auch an den Reutinern nicht spurlos vorüber gegangen, man wollte von oben her diese tüchtige Kapelle nicht entbehren. Aber das dauerte nur kurze Zeit, dann kamen die Jahre, wo das normale Vereinsleben wiederum unterbrochen wurde, weil die Männer zum Militär einrücken mussten. Nur in den kurzen Urlauben konnte man sich treffen und die alte Tradition pflegen.

Niemand ahnte damals noch, dass der Krieg 1945 mit einem Zusammenbruch enden würde, der zunächst für lange Zeit die Aktivität der Kapelle unterbrechen würde. Und als die Katastrophe Wirklichkeit geworden war, wagte kaum einer zu hoffen, dass die Vereinstätigkeit noch einmal aufleben würde.

Wie fast überall, so blieb auch den Reutinern Musikern für Jahre eine Vereinstätigkeit verboten. Erst nach und nach zeigte die Besatzungsmacht ein wenig Verständnis für künstlerische Bestrebungen der Bevölkerung. Aber das äußerte sich vorerst nicht einmal zum Vorteil des Musikvereins. Denn nun kamen Franzosen und „liehen“ sich die Instrumente und Noten aus, – zumeist auf Nimmerwiedersehen. Wo sollte mach also wider anfangen, als endlich die Verbote allmählich gelockert wurden! Aber auch in dieser schlimmen Lage gab es in Reutin Männer, die den Glauben an die gute Sache der musica nicht verloren. Vor allem war es Hermann Bauer, den der Musikverein Lindau-Reutin heute als seinen Ehrenvorsitzenden hochschätzt, und der auch in den allerletzten Monaten wieder in der Vorbereitungsarbeit zum 50jährigen Jubiläum mit vollen Einsatz zu Stelle war, als man seiner bedurfte, – Hermann Bauer, der zusammen mit dem Arzt Dr. Hilbing die Dinge soweit vorantrieb, dass man im Frühjahr 1949 an einer „Neugründung“ des Vereins gedacht werden konnte.

Am 2. Januar dieses Jahres fand die entscheidende Versammlung statt. Die alten Mitglieder, soweit sie Krieg und Kriegsfolgen überstanden hatten, waren wieder bereit, ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen. Besonders ist in diesem Zusammenhang des in der Vereinsarbeit nie zurückstehenden Emil Hechelmann zu gedenken. Er trat im Jahr 1951 dann noch einmal an die Spitze der Musiker und führte den Verein bis zu seinem Tod 1954. Auch auf den Vorkriegsdirigenten Gustav Strzibny konnte der Verein wieder zählen und übergab ihm die musikalische Leitung, die er noch einmal bis zum Hechlmanns Tod betreute.

„Wieder Musikverein Reutin“, so klang damals das positive Pressecho, „der früherer Musikverein Lindau-Reutin ist nach mehr als dreijähriger Unterbrechung wieder erstanden. Die Wiedergründung fand in Verbindung mit dem 1. Konzert am Sonntag in der Brauerei Steig statt. Zu diesem Ereignis hatten sich nicht weniger als 25 Musiker unter der altbewährten Leistung von Gustav Strzibny und etwa 150 passive Mitglieder zusammengefunden. Die Gründerunkversammlung wurde von Hermann Baur geleitet. Der Verein wird sich, getreu den Grundsätzen, die er in den Jahren seines früheren Bestehens von 1910 bis 1945 verfolgt, die Pflege der volkstümlichen Musik, die Heranbildung der Jugend zur musikalischer Betätigung sowie die Förderung des Gemeinsinns auf der Grundlage herzlicher Kameradschaft angelegen sein lassen. Die Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis: 1. Dr. Hilbing jun., 2. Hermann Baur, 3. Emil Hechelmann, Dem Ausschuss gehören außer dem Dirigenten die Herren Vinzenz Feuerstein, Heinrich Pflamminger, Fritz Hailer, Walter Strzibny, Karl Braun, Karl Busse und Max Wohlfart an. Die Kapelle des neugegründeten Musikvereins wartete bei den ersten Zusammenkunft mit einem abwechslungsreichen Programm auf, das reichen Beifall fand.“ aufgezählt werden können.