Chronik 1949 – 1964

In den Jahren, die nach 1949 folgten, ging die Entwicklung des Vereins wieder steil aufwärts. Mehr und mehr spielte sich die Reutiner Kapelle dank ihres Könnens auf ihren guten Organisationen in den Vordergrund. Im Gedanken an diese Zeit des Wiederaufbaues darf besonders an die Rolle erinnert werden, welche die Musikvereine für die Wiederaufnahme der jahreslang daniederliegenden Beziehungen zu den Kapellen der Nachbarländer gespielt haben. Speziell die Lage Lindaus in der Dreiländerecke stellte hier wichtige Aufgaben, und man darf wohl sagen, dass es dem Musikverein Reutin gelungen ist, einiges dazu beizutragen, dass die völkerverbindendere Kraft der Musik zur Wirkung kam und mithelfen konnten, die vom Krieg geschlagene Wunden zu heilen. Musikfeste jenseits der Grenzen, in Lauterach, Bregenz, in Arbon und anderen Schweizer Städten wurden besucht, und die Kameradschaft mit den Männern gleicher Gesinnung aus Österreich und aus der Schweiz erlebte eine schöne Wiederbelebung. Dass auch innerhalb der bundesdeutschen Grenzen das Leben der Musikvereine wieder zu pulsieren begann und bald einen ungeahnten Auftrieb erlebte, wissen wir alle und verzeichnen dankbar diese schöne Entwicklung. Der Musikverein Reutin nahm alljährlich an auswärtigen Wertungsspielen und an den Jubiläen der anderen Vereine des Bezirks teil. Dabei konnten ehrenvolle Erfolge heimgebracht werden.

Was aber das Leben im Heimatort selbst betraf, so gab es bald fast keine Veranstaltung, keine Festlichkeit mehr, zu der die Musiker von Reutin nicht zugezogen wurden. Im Jahre 1950 hatten sie in verhältnismäßig kleinem Rahmen auf der Steig ihr 40jähriges Bestehen gefeiert. Liest man in der vom Schriftführer aus Zeitungsberichten und Ankündigungen zusammengestellten Chronik dieser Jahre, so kann sich nur immer wieder fragen, wie die Aktiven des Musikvereins es möglich gemacht haben, so viel zum öffentlichen Leben Lindaus beizutragen. Kaum eine Woche vergeht zur Sommerzeit, ohne dass die Kapelle öffentlich auftrat. Standkonzerte, Gartenkonzert, Marschmusiken, Unterhaltungskonzerten bei Festen anderer Vereine reihen sich zu einer langen Kette aneinander. Nicht zu vergessen ist natürlich das Lindauer Kinderfest, das alljährlich den Reutinern eine besondere Aufgabe stellt.

Dieses Fest war es auch, dass – zum 300. Male große gefeiert wurde im Jahre 1957 – vom Musikverein zum Anlass genommen wurde, seine Kapelle mit der freundlichen lichtblauen Uniform, die man heute in Lindau und Umgebung überall gerne sieht, neu und schmuck einzukleiden.

Aus der Reihe der vielen, die sich um die Entwicklung des Musikvereins Lindau-Reutin besonders verdient gemacht haben, müssen einige Namen hier besonders hervorgehoben werden. Im Jahre 1954 wurde Karl Braun, von den Mitgliedern als erster Vorstand berufen. Bis 1960 leitet er die Geschicke, wobei als geschäftführender zweiter Vorstand Hans Denzle die Arbeit der Organisation auf sich nahm und auch Erich Schwarzkopf, nach seinem Weggang trat Max Kling vor das Dirigentenpult. In der Tatsache, dass hier nur wenige Namen genannte werden müssen, spiegelt sich die stabile und zielsichere innere Entwicklung des Vereins wieder. Sie wäre aber nicht möglich gewesen, wenn nicht Förderer wie Alfred Lutterloh und seine Gemahlin, wie Dr. phil. Hellmuth Müller-Clemm die Nachfolge derer angetreten hätten, die in früheren Jahrzehnten in treuer Kunstgesinnung den Reutinern in ihren Bestrebungen zur Seite gestanden haben.